Die Betriebsversammlung ist der heikelste Anlass für einen KI-Vortrag. Im Saal sitzen Menschen, die sich fragen, ob ihre Arbeit in zwei Jahren noch gebraucht wird. Oft sitzt der Betriebsrat mit in der ersten Reihe. Und viele haben in den vergangenen Monaten Ankündigungen gehört, die nicht eingetreten sind.
Ein Vortrag, der Künstliche Intelligenz in dieser Lage nur bejubelt, richtet Schaden an. Er verliert den Saal in den ersten fünf Minuten und beschädigt die Glaubwürdigkeit derer, die ihn eingeladen haben, gleich mit.
Deshalb geht dieser Vortrag anders vor. Die Sorgen kommen vor — offen, ohne Beschwichtigung. Was sich belastbar sagen lässt, wird gesagt. Was offen ist, wird als offen benannt. Das ist die einzige Haltung, die in diesem Raum trägt, und sie ist zugleich die Voraussetzung dafür, dass der zweite Teil überhaupt ankommt: was sich mit Künstlicher Intelligenz tatsächlich verbessern lässt, und wo die eigene Arbeit dadurch besser wird statt bedroht.
Wie sich der Vortrag ins Programm einfügt
Als eigener Programmpunkt nach den Berichten: Wenn Zahlen und Beschlüsse durch sind, öffnet der Vortrag den Blick nach vorn — ohne die Stimmung des Vormittags zu ignorieren.
Als gemeinsamer Programmpunkt von Geschäftsleitung und Betriebsrat: Wenn beide den Inhalt vorher kennen und die Fragestellung mittragen, wird aus einem heiklen Tagesordnungspunkt ein gemeinsamer. Das ist die Variante, die erfahrungsgemäß am besten funktioniert.
Als Impuls auf einer Mitarbeiterveranstaltung außerhalb der formalen Betriebsversammlung — Jubiläum, Sommerfest, Standorttag. Dann kürzer, mit mehr Beispielen aus dem Alltag.
Was der Saal mitnimmt
- Eine ehrliche Einordnung: welche Tätigkeiten sich absehbar verändern, welche nicht, und woran man den Unterschied erkennt.
- Die Unterscheidung zwischen dem, was heute belastbar funktioniert, und dem, was nur vorgeführt wird.
- Vier Fragen, mit denen sich jedes KI-Versprechen prüfen lässt — auch das aus dem eigenen Haus.
- Eine gemeinsame Sprache für Gespräche, die danach ohnehin geführt werden.
Was der Vortrag ausdrücklich nicht tut
Er trifft keine Aussagen über Stellen im eigenen Haus. Diese Antworten gehören der Geschäftsleitung, nicht einem externen Redner — und ein Redner, der sie trotzdem gibt, schadet mehr, als er nützt. Er verspricht auch nicht, dass sich nichts ändert. Beides wäre unehrlich, und beides merkt der Saal sofort.
Was der Veranstalter bekommt
- Ein Vorgespräch von etwa 45 Minuten — auf Wunsch gemeinsam mit dem Betriebsrat. Dort wird geklärt, welche Themen im Haus tatsächlich umgehen.
- Auf Wunsch eine Abstimmung der Kernaussagen vorab, damit es im Saal keine Überraschungen gibt.
- Titel, Abstract, Kurzvita in drei Längen und Pressefotos ohne Rückfrage über das Speaker-Kit.
- Abstimmung mit Regie und Technik vor dem Termin.
Was der Veranstalter bereitstellt
Beamer oder LED-Wand mit HDMI-Anschluss, Headset oder Ansteckmikrofon — kein Handmikrofon — und einen Anschluss für den eigenen Laptop. In großen Hallen zusätzlich ein Mikrofon für Wortmeldungen aus dem Saal. Die Präsentation wird vorab als Sicherung bereitgestellt.