Zuerst der Zweck, dann die Person
Die meisten Speaker-Recherchen beginnen mit einer Namensliste. Das ist der zweite Schritt. Der erste ist die Frage, was der Vortrag im Haus bewirken soll — denn davon hängt ab, welche Art von Redner überhaupt in Frage kommt.
In der Praxis lassen sich drei Zwecke unterscheiden:
Aufrütteln. Das Publikum soll den Saal mit einem anderen Gefühl verlassen als es hereinkam. Dafür braucht es Bühnenpräsenz, starke Bilder, eine überraschende These. Solche Vorträge wirken sofort und verblassen schnell; wer sie bucht, sollte einplanen, dass in der Woche danach nichts von allein passiert.
Einordnen. Alle im Raum sollen dasselbe Bild bekommen, bevor sie weiterarbeiten. Das ist der häufigste Fall bei Führungskräftetagungen. Gefragt ist jemand, der die eigene Branche kennt, den Stand der Technik nüchtern beschreibt und auch sagt, was noch nicht geht.
Handlungsfähig machen. Am Ende soll eine Entscheidung vorbereitet oder eine Maßnahmenliste priorisiert sein. Dafür reicht ein Vortrag allein selten; sinnvoll ist die Kombination aus Impuls und moderierter Arbeitsphase — und ein Redner, der selbst in Umsetzungsmandaten arbeitet und weiß, woran es scheitert.
Ein Programmpunkt kann zwei dieser drei Zwecke erfüllen. Drei nicht.
Sieben Fragen an jeden Kandidaten
Diese Liste ist bewusst unbequem. Sie funktioniert auch bei jedem anderen Speaker — und sie ist der Grund, warum manche Anfragen hier nicht ankommen.
1. Arbeitet die Person aktuell in Mandaten, oder lebt sie vom Vortragen?
Beides ist legitim, führt aber zu unterschiedlichen Vorträgen. Wer ausschließlich auf Bühnen steht, arbeitet mit Fallstudien aus der Presse. Wer nebenher in Projekten steckt, hat eigene Beispiele — einschließlich der Stellen, an denen es beinahe schiefging. Prüffrage: Nennen Sie mir ein Beispiel aus den letzten zwölf Monaten, an dem Sie selbst beteiligt waren.
2. Sind die genannten Zahlen nachprüfbar?
KI-Vorträge sind voller Prozentzahlen, und ein erheblicher Teil davon ist falsch weitergegeben. Ein verbreitetes Beispiel: die Aussage, über achtzig Prozent der KI-Projekte scheiterten an mangelnder Datenqualität. Sie geht auf eine Gartner-Pressemitteilung von 2018 zurück, war dort eine Prognose für 2022, sprach von fehlerhaften Ergebnissen statt vom Scheitern und nannte ausdrücklich drei Ursachen — Daten, Algorithmen und Teams. Übrig geblieben ist eine einzige. Wie das passiert und was stattdessen belegt ist, steht in unserem Beitrag Warum KI-Piloten nicht in den Betrieb kommen. Prüffrage: Woher stammt diese Zahl, aus welchem Jahr, und wie viele Fälle wurden untersucht?
3. Wird der Vortrag angepasst — und woran erkennt man das?
Fast alle versprechen Individualisierung. Erkennbar wird sie im Vorgespräch: Wer nach Ausgangslage, Vorwissen im Saal, laufenden Initiativen und dem Punkt fragt, an dem es intern hakt, baut wirklich um. Wer nur Datum, Dauer und Technik abfragt, hält eine Standardpräsentation mit Ihrem Logo auf der ersten Folie.
4. Benennt die Person auch, was nicht funktioniert?
Ein Vortrag, in dem alles gelingt, ist für ein erfahrenes Publikum wertlos — und für Betriebsräte und Skeptiker im Saal ein Grund abzuschalten. Wer Grenzen, Fehlschläge und offene Fragen benennt, wird eher geglaubt.
5. Passt die Erfahrung zur Größe des Hauses?
Was in einem Konzern mit 40.000 Beschäftigten funktioniert, überfordert einen Mittelständler mit 200 — und umgekehrt wirken Konzernbeispiele auf ein Handwerksnetzwerk wie aus einer anderen Welt. Fragen Sie nach Referenzen aus vergleichbarer Größenordnung, nicht nur nach bekannten Namen.
6. Wie belastbar ist die zweite Sprache?
„Verhandlungssicher" reicht für ein Meeting, nicht für die Bühne. Bei internationalem Publikum lohnt die Frage nach einem Mitschnitt in der Zielsprache — oder ein kurzer Videoanruf auf Englisch.
7. Wer steht im Vertrag, und was passiert bei Ausfall?
Direkt oder über eine Agentur ist beides üblich. Entscheidend ist, dass geklärt ist, wer bei Krankheit einspringt oder ob storniert wird, bis wann kostenfrei verschoben werden kann, und wer die Rechte an einer Aufzeichnung hält. Das gehört ins Angebot, nicht in ein späteres Telefonat.
Welches Format zu welchem Anlass passt
Die häufigste Fehlbesetzung ist nicht die falsche Person, sondern das falsche Format: eine 60-Minuten-Keynote im Nachmittagsloch, oder ein 20-Minuten-Impuls dort, wo eigentlich eine Entscheidung vorbereitet werden sollte.
Führungskräftetagung
45 bis 60 Minuten als Auftakt, wenn danach in Arbeitsgruppen gegangen wird. 20 bis 30 Minuten als Nachmittagsimpuls. Halbtags, wenn ein Zwischenergebnis stehen soll.
Jahresauftakt und Kick-off
30 bis 45 Minuten, früh im Programm. Der Vortrag muss das Jahresziel erklärbar machen, nicht ersetzen — Abstimmung mit der Geschäftsleitungsrede ist Pflicht.
Betriebsversammlung
30 bis 45 Minuten. Hier entscheidet die Haltung, nicht die Länge: Sorgen benennen statt wegreden. Vorabstimmung mit dem Betriebsrat empfohlen.
Team-Workshop und Strategietag
Impuls von 30 Minuten plus zwei bis drei Stunden moderierte Arbeit. Ab etwa 40 Teilnehmenden braucht es zusätzliche Moderation in den Gruppen.
Kongress und Fachtagung
20 bis 45 Minuten im Hauptprogramm, oft mit anschließendem Panel. Der Beitrag muss ohne Vorkenntnis der Vorredner funktionieren.
Kundenevent und Messeauftritt
20 bis 30 Minuten, im Zweifel kürzer. Auf Messeflächen konkurriert jeder Vortrag mit dem Lärm der Halle.
Ebenfalls möglich: Kammern, Verbände und Netzwerke — Jahrestagung, Mitgliederversammlung, Wirtschaftsförderung.
Teilnehmerzahl und Vorlauf
Bis etwa 30 Personen ist ein Vortrag im Wortsinn selten das richtige Mittel; ein moderierter Impuls mit Diskussion wirkt stärker. Zwischen 50 und 300 funktioniert die klassische Keynote am besten — groß genug für Bühnenwirkung, klein genug für Zwischenfragen. Ab 500 wird Regie zum Faktor: Bildregie, Ton und Einlauf müssen abgestimmt sein, spontane Interaktion funktioniert nur noch über digitale Werkzeuge.
Zum Vorlauf: Sechs bis acht Wochen sind ausreichend, um einen Vortrag ernsthaft auf ein Haus zuzuschneiden — Vorgespräch, Abstimmung mit Regie und Programmheft eingerechnet. Bekannte Redner sind für Termine im ersten Quartal oft schon im Spätsommer ausgebucht; wer einen Jahresauftakt plant, fragt sinnvollerweise im September oder Oktober an. Kurzfristige Buchungen sind möglich, auch als Einsprung bei Rednerausfall — dann allerdings mit weniger Zuschnitt.
Was das Honorar bestimmt
Speaker-Honorare werden selten öffentlich genannt, weil sie von zu vielen Faktoren abhängen. Diese fünf treiben den Preis:
- Format und Dauer — ein 30-Minuten-Impuls, eine Keynote und ein Halbtags-Workshop sind drei verschiedene Leistungen.
- Vorbereitungsaufwand — ein Standardvortrag kostet weniger als einer, der auf Branche, Ausgangslage und laufende Initiativen zugeschnitten wird.
- Anreise und Zeitbindung — ein Termin im Nachbarort ist etwas anderes als einer, der zwei Reisetage und eine Übernachtung bindet.
- Rechte — Aufzeichnung, interne Weiterverwendung oder Veröffentlichung im Netz sind eigene Positionen und gehören ausdrücklich geregelt.
- Art der Organisation — Kammern, Bildungseinrichtungen und Non-Profit-Organisationen erhalten hier gesonderte Konditionen.
Das Honorar für einen Auftritt von Mario A. Brückner wird auf Anfrage genannt, weil es von genau diesen Punkten abhängt. Die Rückmeldung auf eine Anfrage erfolgt in der Regel innerhalb von 24 Stunden, ein schriftliches Angebot folgt nach dem Vorgespräch.
Ein belastbares Angebot enthält: Leistung und Dauer, Vorbereitungsumfang, Reisekosten als Rahmen oder nach Beleg, Regelung zu Aufzeichnung und Rechten, Fristen für Verschiebung und Absage sowie die Umsatzsteuer. Fehlt einer dieser Punkte, wird er später zum Streitpunkt.
Wann Mario A. Brückner der falsche Redner ist
- Wenn ein rein technischer Vortrag gewünscht ist — Modellarchitekturen, Prompt-Techniken, Werkzeugvergleiche. Dafür gibt es bessere Adressen.
- Wenn der Auftrag lautet, eine bereits gefallene Entscheidung im Nachhinein zu begründen.
- Wenn ausschließlich Unterhaltung gefragt ist und Inhalte zweitrangig sind.
- Wenn das Publikum überwiegend aus Entwicklerinnen und Entwicklern besteht, die tiefer im Thema stehen als die Führungsebene.
In diesen Fällen ist eine ehrliche Absage die bessere Antwort — und meist folgt eine Empfehlung.